Dienstag, 25. Juni 2013

Diese verdammte Mail

Als ich Mitte Januar jene Mail bekam, deren Inhalt mein Leben (ja, mein Leben) verändern und mich aus meinem gewohnten Alltag reißen sollte, war ich unglaublich nervös. Die ganze Woche nach den Bewerbungsgesprächen für die Platzvergabe an unsere Partnerunis habe ich meine Emails gefühlte alle zwanzig Minuten gecheckt - bis schließlich tatsächlich eine Mail da war.
Mein Herz machte einen Satz, ich weiß nicht, ob vor Freude oder vor Panik. Ich starrte diese verdammte Mail an, traute mich erst nach etwa 5 Minuten sie zu öffnen - natürlich nicht einfach so, sondern in einem neuen Tab, sodass ich zwar wusste, dass der Inhalt dieser Mail nun geöffnet war, ich ihn aber noch nicht auf dem Hauptfenster sehen konnte.
Weitere 5 Minuten starrte ich nun den Tab an. Herzrasen, einmal tief Luft holen, meinen Mitbewerbern und Freunden panisch schreiben, die Nachrichten für die Platzvergabe seien raus - und öffnen.

Ich bekam einen. Ich bekam einen verdammten Platz an einer dieser verdammten Unis in Japan. Sogar an meiner Wunschuni. Zuerst fiel mir ein riesengroßer Stein vom Herzen, ihr wisst schon, einer jener Sorte, die man so mit sich rumschleppt, wenn man auf eine wichtige Nachricht wartet und diese dann erhält, egal ob positiv oder negativ.
Nun ja, in diesem Fall positiv für mich. Und mit einem Schlag ist die Nervosität, das ganze ätzende Warten, der Stress, den man vor, während und nach dem Bewerbungsgespräch hatte, der Stress, den man hatte, als man ein Thema für ein Forschungsprojekt verzweifelt gesucht hatte (als Voraussetzung für einen Studienplatz), wie weggeblasen.
Dann freute ich mich - dann wurde mir klar, was es eigentlich nun bedeutete.
Ich würde für fast ein ganzes Jahr in einem fremden Land verbringen, dessen Sprache man gerade so konnte, dass man nach Toilette und dem Rathaus fragen konnte - sogar in höflich. Man ist sich bei der Bewerbung  nicht bewusst, was sich alles verändert, für einen selber, für die Familie und Freunde. Vorher ist man nur aufgeregt und freut sich und will unbedingt dieses verdammte Ding. Man ist so ehrgeizig, dass man leicht vergisst, dass die eigene Beziehung daran vielleicht zerbrechen kann. Nun, mir was das von Anfang an bewusst und ist es auch immer noch. Aber diese einmalige Chance, die unglaubliche Chance auf dieses Abenteuer konnte ich mir nicht entgehen lassen. Ich hätte es mein Leben lang bereut.

Nun ja, ich habe diesen Austauschplatz und hoffe, dass ich mich nicht zu sehr verändere und die wichtigen Dinge nicht vergesse.
Hochphilosophische Worte von mir, die gerne Witze über das männliche Geschlechtsteil macht. Aber es gibt Momente im Leben, da gibt man sowas von sich. Zum Beispiel, wenn man vorhat, ein Jahr lang sich von Reis und Sojasoße zu ernähren, weil man nicht weiß, was man in Japan essen soll.

Bald werde ich über meine Reisevorbereitungen schreiben, also freut euch darauf.

Ernsthaft: freut euch. ô_o

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