Das folgende ist jetzt auch schon fast einen Monat her... aber hey, ich hole auf! :)
Diesmal geht es um zwei Tage, die ich im Süden Chibas verbracht habe, genauer gesagt, im sehr ländlich gelegenden Dorf Ooyama. Etwa 40 Studenten, hauptsächlich wir Ausländer von JPAC, aber auch einige Japaner, nahmen an diesem Ausflug teil. Der Anlass war, dass wir zum einen die ländliche Regionen Chibas erkunden können, aber auch von den dort lebenden Menschen lernen, wie sie dort leben und mit welchen Probleme sie dort zu kämpfen haben. Bereits vorher gab es Ausflüge nach Ooyama, weil diese im Rahmen eines Seminares stattfanden (fragt mich nicht welches), wo dieses Semester auch welche von JPAC drin saßen. Diese haben dann spontan vorgeschlagen, dass die anderen Austauschstudenten auch mitkommen könnten und prompt waren wir auch schon eine sehr große Gruppe.
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| Ooyama ist beim rosa Punkt, Chiba liegt nördlich, östlich von der Bucht |
Wir trafen uns am Samstag also sehr früh, um mit dem Bus nach Ooyama zu fahren. Die Fahrt dauerte etwa 2 Stunden. Als wir ankamen, erreichten wir sogleich Ooyamas (einzigen) berühmten Ort, nämlich die "Senmaida" (千枚田), was soviel wie "tausend Reisfelder" bedeutet. Tatsächlich sind es nur 345 Reisfelder, aber in Terrassen angeordet, die besonders im Frühling und zur Erntezeit sehr schön sind. Beides war bei unserem Besuch leider nicht der Fall, aber trotzdem hatten wir herrliches Wetter und eine tolle Landschaft.
| Ein Keks mit Chiba-kun :D |
| Die "Senmaida" |
Danach ging es dann zur örtlichen Grundschule, die allerdings im Moment leer steht, da es zu wenige Kinder im Dorf gibt, um diese zu halten zu können. Hier geht es mit den Problemen schon los. Wenige Kinder und der demographische Wandel bereiten in Ooyama wie auch eigentlich überall, besonders aber in ländlichen Regionen, große Probleme, neben Versorgungs- und Infrastrukturproblemen.
In der Schule wurden wir vom Bürgermeister und von den Organisatoren begrüßt, die uns auch über das Wochenende bespaßen und bei sich wohnen lassen würden. Einige Familien haben sich nämlich bereit erklärt ein paar von uns bei sich übernachten zu lassen. Meiner war der coolste, aber dazu später mehr :)
| Die Grundschule |
Nach der Begrüßung konnten wir uns in Gruppen aufteilen und verschiedene Dinge tun. Die eine Gruppe würde mit den lokalen Kindern internationale Spiele spielen und etwas Zeit mit ihnen verbringen, die andere würde mit einigen Einwohnern Bambus fällen gehen. Der Bambus ist den Bauern nämlich auch eher ein Dorn im Auge, da er extrem schnell wächst und sich verbreitet, was den nutzbaren Boden stark eingrenzt und überhaupt sehr viel Platz wegnimmt. Wir konnten also etwas körperlich aktiv werden und die Bauern hätten billige (was rede ich da, kostenlose) Arbeitskräfte für ein paar Stunden. Es war auf jeden Fall sehr interessant, anstrengend und eine tolle Erfahrung. Außerdem haben wir auch dabei gelernt, wie groß die Probleme mit diesem Teufelsunkraut sind.
| Der Herr im hellblauen Overall ist tatsächlich ein Amerikaner. Einen Ausländer zu sehen, der in diesem Dörfchen lebt und arbeitet (und dann auch noch auf einer Farm) haben wir allem wirklich am wenigstens erwartet. |
| Unsere Arbeit :) |
Am späten Nachmittag waren wir fertig (im wahrsten Sinne des Wortes) und es ging zurück, denn einer der Anwohner, ein offensichtlich sehr reicher Mann, gab für uns alles ein tolles Barbeque. Da stellte sich auch heraus, dass ich mit einigen anderen bei genau diesem Mann und in dessen Haus übernachten würde. Der Typ hatte ein verdammt großes Haus, wir Mädchen hatten sogar ein eigenes Zimmer, während die Männer auf Tatami schlafen mussten. Herrlich ;)
Die Kinderspielgruppe stieß dann auch dazu und ein tolles Grillfest konnte losgehen. Es gab Lamm- und Wildschweinfleisch, Hot Dogs, Yakisoba, Salat, Chips und natürlich jede Menge Bier, Wein und Soft Drinks. Es war unheimlich lecker und wir standen dann alle gemeinsam um die Feuerstellen und haben uns unterhalten. Es war wirklich lustig, aber irgendwann wurde es auch verdammt kalt und ich wollte iauch nur noch, dass wir endlich rein konnten. Nachdem die anderen dann auch weg waren, saßen die, die beim reichen Mann übernachten würden, noch alle zusammen mit der Familie, die uns aufnahm und es gab noch ein paar Kleinigkeiten zu essen und zu trinken. Das war auch sehr witzig, aber gegen Mitternacht war ich dann so erschöpft, dass wir dann auch nach und nach schlafen gegangen sind. Schließlich würden wir am nächsten Tag auch sehr früh aufstehen müssen.
Am nächsten Morgen gab es dann ein sehr leckeres, typisch japanisches Frühstück: Reis, Nori-Blätter, Lachs, Misosuppe und Spiegelei. Sehr lecker :) Dort habe ich dann auch erfahren, dass ein Amerikaner, der auch im Haus übernachtet hat, es mit dem Alkohol so sehr übertrieben hat, dass er sich mitten in der Nacht auf dem Boden übergeben hat. Die anderen Jungs mussten sogar die Kinder der Familie wecken, damit sie ihnen beim Putzen helfen. Ich persönlich fand das natürlich ziemlich witzig (Mitleid hatte ich auch kein Stück), allerdings unheimlich peinlich und scheiße vom Amerikaner. Die Famile nimmt Ausländer bei sich auf, gibt ihnen Essen und Obdacht und als Dank wird ihnen auf den (wohlgemerkt Tatami-) Boden gekotzt. Super Eindruck hinterlassen wir da, und ich hatte auch das Gefühl, dass der Hausherr irgendwie von uns allen angepisst war - konnte ich ihm aber auch nicht verübeln.
Nach dem Frühstück trafen wir uns alle im örtlichen Gemeindezentrum, wo wir wieder aufgeteilt wurden. Eine Gruppe blieb zurück, um für alle internationale Gerichte zu kochen, die andere wurde von dem reichen Mann, bei dem ich übernachtet hatte, durch die Gegend geführt. Da er selber auch auf die Jagd ging, kannte er die Region und erzählte viel Interessantes (z.B. dass es hier auch ein Wildschweinproblem gibt). Wir wanderten ca. 2 Stunden, es war tolles Wetter und wir hatten einen tollen Ausblick, wenn es auch irgendwann recht anstrengend wurde.
Als wir dann wieder zurückkehrten, haben die Einwohner angefangen, vor dem Gemeindezentrum Reis zu stampfen, um Mochi herzustellen, das nennt sich "Mochitsuki". Mochi ist eine Art Reiskuchen, hierzulande eine traditionelle Speise, die oft in kleine Bällchen geformt und gefüllt werden. Normaler Klebereis wird zuerst gekocht und in einen großen Holzbottich gefüllt, wo einer mit einem Holzhammer draufschlägt und der andere den Reis stets wendet, bis daraus eine einzige klebrige Masse geworden ist (wobei diese Art der Herstellung üblicherweise nur an Neujahr oder an irgendwelchen Festen tatsächlich von Hand gemacht wird). Später haben wir aus der Mochi-Masse für alle kleine Bällchen geformt und in irgendwelchen süßen Pasten gewälzt.
Als wir dann wieder zurückkehrten, haben die Einwohner angefangen, vor dem Gemeindezentrum Reis zu stampfen, um Mochi herzustellen, das nennt sich "Mochitsuki". Mochi ist eine Art Reiskuchen, hierzulande eine traditionelle Speise, die oft in kleine Bällchen geformt und gefüllt werden. Normaler Klebereis wird zuerst gekocht und in einen großen Holzbottich gefüllt, wo einer mit einem Holzhammer draufschlägt und der andere den Reis stets wendet, bis daraus eine einzige klebrige Masse geworden ist (wobei diese Art der Herstellung üblicherweise nur an Neujahr oder an irgendwelchen Festen tatsächlich von Hand gemacht wird). Später haben wir aus der Mochi-Masse für alle kleine Bällchen geformt und in irgendwelchen süßen Pasten gewälzt.
Danach ging es rein, wo die andere Gruppe bereits fleißig am Kochen war. Es gab typisch indonesische und chinesiche Gerichte, die ganz lecker waren - jedoch haben sie die genialen Köpfe, die eingekauft und gekocht haben, massiv verschätzt, was die Mengen anging. Noch während alle gegessen haben, kam mehr und mehr Nachschub, es gab ohne Ende Reis- und Mochibällchen und selbst, als wir alle praktisch satt waren, gab es noch mehr und mehr. Ich saß daneben und konnte nicht glauben, WIE sehr die sich eigentlich verkalkuliert haben - letzten Endes haben die die Reste in Tüten gepackt und verzweifelt versucht, uns diese anzudrehen, damit nichts weggeschmissen werden musste.
| Der örtliche Tempel |
| Hier sieht man eine Wildschweinfalle |
| Hier wird der Reis gestampft |
Nach dem Essen haben dann einige von uns die Chance bekommen, an einem kleinen Koto- und Teezeremonie-Workshop teilzunehmen. Da die Alternative gewesen wäre, abzuwaschen und aufzuräumen, habe ich mich natürlich sofort dafür gemeldet.
Eiine Koto ist ein traditionelles, japanisches Zither-Instrument. Die Frauen, die diese spielten gaben uns zuerst eine kleine Vorführung eines bekannten japanischen Stückes und ließen uns danach selbst üben, während die andere Hälfte eine Teezeremonie machten. Koto zu spielen ist dabei eindeutig das Interessantere. Es ist gar nicht so leicht, erstmal das Notenblatt zu verstehen und dann den Überblick zu behalten, welche Saite welche ist. Es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht. Als mein Grüppchen mit dem Tee trinken dran war, hielt sich meine Begeisterung aber in Grenzen. Naja :)
Eiine Koto ist ein traditionelles, japanisches Zither-Instrument. Die Frauen, die diese spielten gaben uns zuerst eine kleine Vorführung eines bekannten japanischen Stückes und ließen uns danach selbst üben, während die andere Hälfte eine Teezeremonie machten. Koto zu spielen ist dabei eindeutig das Interessantere. Es ist gar nicht so leicht, erstmal das Notenblatt zu verstehen und dann den Überblick zu behalten, welche Saite welche ist. Es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht. Als mein Grüppchen mit dem Tee trinken dran war, hielt sich meine Begeisterung aber in Grenzen. Naja :)
| Die Koto |
Danach ging es wieder zurück und es gab noch einige Abschieds- und Dankesreden von unserer Seite, aber auch von Seiten der Einwohner von Ooyama. Bei Sonnentuntergang ging es dann endlich wieder zurück nach Chiba.
Alles in allem war es ein aufregendes Wochenende, was uns allen sicherlich viel Spaß bereitet hat. Schließlich erlebt man sowas nicht alle Tage und es war schön, mal aus der "Großstadt" rauszukommen. Die Leute waren unglaublich nett und gastfreundlich und gerade die Kinder war es eine Erfahrung, so viele Ausländer (oder überhaupt Ausländer) zu treffen. Es hat uns allen außerdem nochmal klar gemacht, dass Japan sehr viele kleine und große gesellschaftliche Probleme hat, die besonders dem Ausland gegenüber nicht wirklich offenkundig sind und es bleibt anzuwarten, wie die Regierung, aber auch die Einwohner dieser zahlreichen betroffenen Dörfer damit umgehen werden.

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