Ich war also für paar Tage in Aizu-Wakamatsu, wo mein Freund für 5 Monate studieren würde. Die Stadt selbst liegt mitten in der Präfektur Fukushima in einem Tal, umringt von Bergen. Es leben über 100.000 Menschen dort und doch ist es sehr ländlich mit vielen Reisfeldern und Landwirtschaft. Überhaupt ist es ziemlich ruhig und eher langweilig, so war zumindest mein erster Eindruck (was sich später als nicht ganz falsch erweisen sollte), es gibt nicht allzu viele Sehenswürdigkeiten und das Tal ist ziemlich groß, was dazu führt, dass die Läden und andere Einrichtungen von der Uni aus sehr weit weg sind. Es fahren kaum Nahverkehrszüge durch Aizu und die Buslinien fahren so selten, dass es fast sporadisch wirkt. Ein Fahrrad ist daher ein ziemliches Muss.
Nach unserer Ankunft sind wir mit Taxi zuerst zur Uni gefahren, damit er ins Studentenwohnheim rein konnte. Die Uni selbst ist ziemlich klein, aber es studieren und unterrichten sehr viele Ausländer dort, weil sie auf Computer(-technologien) spezialisiert ist. Dafür können viele der Angestellten Englisch (immerhin).
Das Wohnheim ist sehr neu und relativ modern und tausendmal schöner als meines, innen wie von außen (zumal die Miete auch billiger ist). Dafür muss man sich mit 10-12 anderen, meist japanischen, Studenten Küche und Bad teilen, was Dreck und Grölerei alltäglich macht (der einzige Punkt, für den ich meinen Freund nicht beneide, auch wenn die Küche toll ist). Nachdem das geklärt war, haben wir die nächsten Tage über anderen Verwaltungskram gemacht wie den obligatorischen Besuch beim Rathaus, Anmeldungen in der Uni, Informationsveranstaltungen etc., außerdem haben wir alles für sein Zimmer gekauft (Bettzeug, Geschirr und was man noch im 100-Yen-Shop bekommt).
| In der Uni |
| Ich erwähnt mal, dass meine Kamera langsam kaputt gegangen ist und dass sich ein kleiner schwarzer Balken beim Zoomen ins Bild schiebt? Hier fängt es an... |
Desweiteren musste er sich einen Namensstempel besorgen. So ziemlich alle Japaner haben einen, der einfach eine normale Unterschrift ersetzt. Dazu sind wir in einen kleinen, darauf spezialisierten Laden gefahren, der deine Kanjis innerhalb von 10 Minuten in kleine Plastikstäbe eingraviert für schlappe 300 Yen. Dafür haben unsere Begleiterin und Übersetzerin vom International Office und ich uns Kanjis für seinen Namen überlegt und da wir schon dabei waren, auch für mich. Da der Nachname meines Freundes zu lang war, um ihn vernünftig mit Kanjis übersetzen zu können, nahmen wir seinen Vornamen und entschließen uns für 丸世流 (rund; Welt; fließen). Bei mir war es da schon schwerer, da es im Japanischen die Silbe "di" so nicht gibt und kein Kanji, das so gelesen wird. Daher nahm ich meinen Nachnamen, wobei der aus vier Silben besteht und etwas zu lang für meinen Geschmack war. Auch dafür Kanjis zu finden, die halbswegs hübsch klingen, war sehr schwer. Also übersetzte ich meinen Nachnamen einfach ("neues Haus") und nahm dafür die Kanji 新家 (neu; Haus). Später habe ich herausgefunden, dass es interessanter Weise tatsächlich einen (eher seltenen) japanischen Nachnamen mit den gleichen Kanjis gibt, und zwar "Niinomi". Jetzt kommt aber das witzigste: als wir den Laden betraten und unsere Begleiterin der Verkäuferin die Kanjis für unsere beiden Stempel übergab, hat die Verkäuferin in die Vitrine gegriffen und mir einen kleinen Umschlag mit dem bereits fertigen Stempel mit meinen Kanjis gegeben. Sie dachte, wir hätten diesen zuvor in Auftrag gegeben und wären dort, um ihn abzuholen.
Wir waren natürlich total überrascht und sagten, dass das nicht unser sei. Die Verkäuferin war auch erstaunt, weil der wohl schon eine Weile dort rumlag und wir haben alle über diesen unglaublichen Zufall gelacht. Am Ende habe ich diesen dann auch mitgenommen, damit sie keinen neuen machen mussten. Aber das muss man sicht mal vorstellen: eine Ausländerin, die zufällig in der Stadt ist und aus Spaß einen Namensstempel (aus einem Wortwitz heraus) haben will und eben genau dieser Stempel, der für Japaner gedacht war, wartet praktisch auf mich. Herrlich :)
| Eingang der Uni Aizu |
| Bilder an einer Brücke |
| Zu dieser Statue sind wir auch gefahren (später mehr dazu) und ein dummer kleiner ätzender Balken |
| Ein kleiner See beim Wohnheim |
Darüber hinaus haben wir einige Sehenswürdigkeiten besucht, die im kommenden Post vorkommen werden und einfach die Gegend erkundet. Bei schönem Wetter ist es in Aizu echt toll, die ganze Stadt ist vom Gebirge umringt und das ist wirklich herrlich anzusehen. Aber darüber hinaus hat Aizu nicht viel zu bieten, nicht nur, dass alles sehr weit voneinander entfernt ist, viel Unterhaltungs- und Freizeitmöglichkeiten gibt es nicht und man müsste schon ins fast über eine Stunde entfernte Koriyama fahren, um sowas zu bekommen. Aber naja, zum Studieren und Wohnen reicht es wohl :)
Ach ja, Aizu liegt da :)

Ich will auch einen Stempel !!! Besorg mir auch mal einen!! :)
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