Samstag, 28. September 2013

Ankunft im Wohnheim und mein Zimmer

So, ich hatte es nun ins International House geschafft und dank der Zeitverschiebung war es gerade mal Vormittag.

Der erste Eindruck des Wohnheim war nicht positiv. Ich bin erst durch einen falschen Eingang gelaufen, sodass ich in einem der Wohngebäude gelandet war. Und dies war so hässlich, dass ich alle bemitleidet hatte, die dort wohnen müssen. Die Farbe blätterte an den Wänden ab, sie war potthässlich und alles wirkte kalt und eher wie ein Keller als ein Eingangsbereich. Von außen sehen die Gebäude nicht besser aus, ein neuer Anstrich wäre ziemlich angebracht. Überhaupt habe ich bis jetzt sehr viele Häuser und Gebäude gesehen, die äußerlich einen sehr alten, abgenutzten Eindruck machen, was nicht gerade zu einem schönen, modernen Stadtbild beiträgt. All die Werbetafeln und Leuchtreklame stehen etwas im Widerspruch zu einer Wand, deren Putz langsam abfällt.
Aber ok, weiter im Text. Ein freundlicher Bewohner hat uns ins Office gebracht, wo ich von den Mitarbeitern begrüßt und gleich zur Anmeldung gebracht wurde. Neben mir sind bereits einige andere ausländische Studenten angekommen.
Von der Leiterin des J-PAC-Programms wurden mir ein ziemlicher Batzen Information an den Kopf geworfen: erst kam der Ablauf der nächsten Tage, wann was gemacht werden würde, ich habe Städtpläne bekommen und einen verdammt großen Haufen mit Dokumenten und Infoblättern. So fertig und müde wie ich war, und die Frau mal Englisch (und zwar kein Gutes), mal Japanisch geredet hat, habe ich sie nur zur Hälfte verstanden. Eine Unterschrift hier und dort und mit meinem dicken Ordner Papier durfte ich meinen Zimmerschlüssel holen gehen. Ein paar Formulare ausgefüllt und zack: ein Wohnheimszimmer für mich. Als Begrüßungsgeschenk gabs sogar eine Tasse, einen Teller und die erste Rolle Klopapier (welches etwa 0,00005 mm dick ist - und KEIN BESTECK, IHR ARSCHGEIGEN!!!) 

Mein Zimmer liegt im 3. Stock, ganz außen. Ich freute mich besonders darauf, mit den Koffern dorthin zu gelangen, denn natürlich gibt es keinen Aufzug. Ich kämpfte mich durchs Treppenhaus und völlig verschwitzt, frustriert, weil ich alles alleine schleppen musste, konnte ich mein Zimmer betreten.
Auch hier war der erste Eindruck enttäuschend, wenn nicht sogar wirklich schlecht. Es ist echt klein und obwohl ich bereits wusste, dass die nicht viel Platz bieten, SO klein hatte ich mir nicht vorgestellt. Der Abstand zwischen Bett und Schreibtisch beträgt vielleicht einen Meter, und der Schreibtischstuhl passt gerade so hindurch. Ihr könnt euch denken, wie schwer es dann ist, seine zwei vollgepackten Koffer darin zu verstauen und diese dann auch noch vernünftig auszupacken.
Außerdem wirkt das Zimmer schlicht abgenutzt und macht keinen allzu sauberen Eindruck. Die Farbe der Wände ist ein helles, leicht schmutzig wirkendes Gelb, und da das Licht der Deckenlampe so hell und steril ist, wirkt das Zimmer irgendwie vergilbt. Außerdem sind überall "Gebrauchsspuren", dunkle Flecken an den Wänden, wo irgendwer irgendwann mal was stehen hatte oder ständig etwas an der Wand abgerieben hätte. Gleiches mit den Möbeln, viele Kratzer, Flecken  oder Klebestreifenreste, Schrauben sind locker und abblätternde Farbe.
Eine "Küche" gibt es auch - aber ich bevorzuge es, diesen Ort "Kochnische" zu nennen. Es ist winzig und man hat kaum Platz, um da vernünftig kochen zu können. Eine Herdplatte, kleine Spüle, Pupskühlschrank, viel zu kleiner Schrank um da Geschirr, Besteck und Gläser reinzustellen und unter der Spüle noch ein kleiner Abstellschrank, den ich für meine Reinungsmittel und anderes benutze. (Die Bilder sind erst entstanden, nachdem ich meine Koffer ausgeräumt hatte)

 
Dann das Bad - ich nenne es auch hier "Duschnische" -, welches zwar Toilette, Waschbecken und Dusche hat, welche aber auf den ersten Blick nicht erkennbar ist. Da man in Japan ja Platz sparen muss, muss man mein Waschbecken zur Seite schieben, um entweder duschen oder auf Klo gehen zu können. Nicht nur, dass Waschbecken und Klo extrem hässlich sind und aus komischen Plastik zu bestehen scheinen, wenn man sich hinsetzt, um sein Geschäft zu erledigen, fühlt man sich so eingezwängt wie in einer Sardinenbüchse - es ist unbequem und eng. Duschen ist ok, mir wäre es lieber aber anders herum.


Um etwas Positives diesem blöden Zimmer abzugewinnen, der Schreibtisch ist groß und hat viele Schubladen, wenn auch die Tischplatte schon die Gebrauchsspuren meiner Vorgänger nicht länger verbergen kann.
Aber dann gäbe es ja noch das Bett. Dieses wirkt zumindest etwas größer als unsere normalen 90cm-Betten, aber die Matratze ist für meinen Geschmack sehr hart und mit Federn, die man, wenn man sich hinlegt schon leicht im Rücken spüren kann - kein schöner Gedanke übrigens, wenn man nicht weiß, wieviele Leute vor einem dieses Bett für was auch immer benutzt haben und wie hygienisch diese Leute waren... Und Bettwäsche ist auch nicht dabei gewesen!
Nachdem ich jetzt zwei Nächte darauf geschlafen habe, muss ich sagen, dass es in Ordnung ist... ich wünsche mir nichts sehnlicher als mein Bett herbei, aber es geht schon.
Dennoch habe ich in diesem Zimmer erstmal zum Desinfektionsspray gegriffen, nur zur Sicherheit, und Klo, Bett, Schreibtisch und alle Griffe damit eingeprüht. Die Spiegel habe ich auch sauber gemacht, aber das im Bad ist scheinbar soooo lange nicht mehr geputzt worden, dass die Wasser- oder Kalkflecken sich regelrecht eingebrannt haben. Nichts zu machen, egal wieviel Putzmittel ich verwendet oder wie doll ich gerieben habe. -_-


Ich komme also in dieses Zimmer, total hungrig, frustriert, traurig und hundemüde, finde es so vor, wie ich es vorgefunden habe, die Koffer bekomme ich gerade so in den "Flur" rein und DANN hätte ich den ganzen Scheiß auch noch einräumen müssen. Gott sei Dank hatte ich ein LAN-Kabel mitgebracht fürs Internet, sodass ich sofort online gehen und via Skype meinen Freund total vollheulen konnte.
Nachdem sich das dann auch irgendwann mal gelegt hatte, zog ich los, um meinen ersten Einkauf zu erledigen. Aber dazu später mehr :)

Und habt jetzt keinen allzu schlimmen Eindruck vom Zimmer, es ist ok, aber schön ist es nicht. Man muss sich eben nur damit arrangieren. Und ich finde, die Wohnheimsleitung könnte sich ruhig um neue Möbel kümmern.

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